Tagesgeld-Vergleich Mai 2026: Diese drei Angebote bieten bis zu 3,55 Prozent Zinsen

Tagesgeld Vergleich

Die Europäische Zentralbank hat den Leitzins auf ihrer Sitzung am 30. April zum sechsten Mal in Folge nicht verändert. Der Einlagensatz bleibt bei 2,00 Prozent. Für Tagesgeld-Sparer ist das eine wichtige Nachricht und ein guter Anlass, die aktuellen Konditionen am Markt zu vergleichen.

Die Entscheidung vom 30. April 2026 im Detail

EZB-Präsidentin Christine Lagarde verkündete den Beschluss am frühen Nachmittag des 30. Aprils in Frankfurt. Der Einlagensatz, der für Sparer relevanteste der drei Leitzinsen, bleibt bei 2,00 Prozent. Der Hauptrefinanzierungssatz liegt weiterhin bei 2,15 Prozent, der Spitzenrefinanzierungssatz bei 2,40 Prozent. Damit hält die EZB ihr Zinsniveau seit Juni 2025 konstant.

Hintergrund der Entscheidung ist eine zwiespältige wirtschaftliche Lage im Euroraum. Die Inflation ist zuletzt auf 3,0 Prozent gestiegen, getrieben vor allem durch die gestiegenen Energiepreise infolge des Iran-Krieges. Gleichzeitig schwächelt die Konjunktur in mehreren Mitgliedsstaaten. Die Notenbank steht damit vor einem klassischen Dilemma: Eine Zinserhöhung würde die Inflation bremsen, aber das Wachstum belasten. Eine Zinssenkung würde die Wirtschaft stützen, aber den Preisauftrieb verstärken.
Lagarde betonte in der Pressekonferenz, dass die EZB ihre Entscheidungen weiterhin von Sitzung zu Sitzung anhand der Datenlage treffen werde. Eine klare Richtung für die kommenden Monate gab sie nicht vor.

Was bedeutet die Zinspause für das Tagesgeld?

Tagesgeldzinsen orientieren sich eng am EZB-Einlagensatz. Wenn die Notenbank die Zinsen senkt, geben Banken diese Senkungen in der Regel zeitnah an ihre Kunden weiter. Bleibt der Leitzins stabil, bleiben auch die Tagesgeldzinsen weitgehend auf dem aktuellen Niveau.

Bemerkenswert ist allerdings die Spreizung am Markt: Während viele Filialbanken ihren Bestandskunden lediglich Zinsen zwischen 0,5 und 1,5 Prozent zahlen, bieten Direktbanken und spezialisierte Plattformen deutlich höhere Konditionen. Die Differenz zwischen einem schlechten und einem guten Tagesgeldkonto kann bei einer Einlage von 20.000 Euro mehrere hundert Euro pro Jahr betragen.

Hinzu kommt: Analysten rechnen damit, dass die EZB den Einlagensatz mindestens bis Mitte 2026 bei 2,0 Prozent belassen wird. Sollte sich der Energiepreisschock allerdings verfestigen, sind sogar Zinserhöhungen wieder denkbar. In einem solchen Umfeld werben Banken erfahrungsgemäß stärker um Neukunden, kurzfristige Aktionszinsen liegen dann häufig deutlich über dem Marktdurchschnitt.

Drei Tagesgeld-Angebote im Vergleich im Mai 2026

Wer aktuell ein Tagesgeldkonto eröffnen möchte, findet am Markt eine Reihe attraktiver Konditionen. Drei Angebote stechen dabei besonders heraus, sie unterscheiden sich allerdings deutlich in ihrer Ausrichtung.

eToro: 3,55 Prozent ohne Befristung

Der Online-Broker eToro bietet aktuell 3,55 Prozent Zinsen pro Jahr auf Tagesgeld an. Anders als bei vielen Konkurrenzangeboten ist der Zinssatz nicht auf einen Aktionszeitraum begrenzt, sondern gilt unbefristet. Eine Mindestanlage gibt es nicht, die Zinsgutschrift erfolgt monatlich. Die Anlage selbst läuft in US-Dollar, das bringt eine Währungskomponente ins Spiel, die je nach Wechselkursentwicklung Chancen oder Risiken mit sich bringen kann. Die Einlagen sind über die gesetzliche Einlagensicherung bis 100.000 Euro geschützt.

Das Angebot eignet sich vor allem für Sparer, die einen langfristig hohen Zinssatz suchen und mit der Anlage in US-Dollar bewusst umgehen möchten.

Raisin: 3,50 Prozent für drei Monate

Die Sparplattform Raisin, früher unter dem Namen WeltSparen bekannt, bietet aktuell 3,50 Prozent Zinsen pro Jahr für einen Zeitraum von drei Monaten. Der Zinssatz richtet sich an Neukunden und ist auf eine Maximaleinlage von 50.000 Euro begrenzt. Die Mindesteinlage liegt bei einem Euro, die Zinsen werden monatlich gutgeschrieben. Auch hier greift die gesetzliche Einlagensicherung bis 100.000 Euro.

Wer 50.000 Euro für drei Monate zu diesen Konditionen anlegt, erhält rund 437 Euro Zinsen brutto. Nach Ablauf der Aktionsperiode fällt der Zinssatz auf den dann gültigen regulären Wert. Das Modell eignet sich daher vor allem für kurzfristige Geldparkpositionen oder als Übergangslösung.

Unitplus: 2,33 Prozent mit erweitertem Schutz

Etwas niedriger fällt das Angebot von Unitplus aus: 2,33 Prozent Zinsen pro Jahr, dafür ohne zeitliche Befristung und mit täglicher Verzinsung. Eine Mindesteinlage gibt es nicht. Die Besonderheit liegt in der Sicherheitsstruktur: Während bei klassischen Tagesgeldkonten die gesetzliche Einlagensicherung bei 100.000 Euro endet, sind bei Unitplus auch höhere Beträge geschützt, sie werden als Sondervermögen verwahrt und sind damit im Insolvenzfall der Bank nicht Teil der Insolvenzmasse.

Für Sparer mit größeren Beträgen, die nicht auf mehrere Banken verteilt werden sollen, ist das ein relevanter Unterschied. Die niedrigere Verzinsung im Vergleich zu den anderen beiden Angeboten ist der Preis für diese Sicherheitsarchitektur.

Worauf Sparer beim Vergleich achten sollten

Der reine Zinssatz ist beim Tagesgeld nicht das einzige Kriterium. Drei Punkte sind beim Tagesgeld-Vergleich besonders wichtig.
Die Zinsgarantie entscheidet darüber, wie lange ein beworbener Zinssatz tatsächlich gilt. Aktionszinsen über drei oder sechs Monate sind üblich, danach fällt der Zinssatz oft deutlich. Wer dauerhaft hohe Zinsen möchte, sollte auf unbefristete Angebote achten oder bereit sein, regelmäßig die Bank zu wechseln.

Die Einlagensicherung schützt Sparguthaben im Insolvenzfall einer Bank. Innerhalb der EU sind Einlagen bis 100.000 Euro pro Kunde und Bank gesetzlich abgesichert. Wer höhere Beträge anlegen möchte, sollte entweder auf mehrere Banken verteilen oder Anbieter mit erweiterten Sicherheitsmodellen wählen.

Die Verfügbarkeit des Geldes ist beim Tagesgeld grundsätzlich täglich gegeben. Allerdings gibt es Unterschiede bei den Auszahlungswegen: Manche Anbieter erlauben Überweisungen nur auf ein vorher festgelegtes Referenzkonto, andere sind flexibler.

Ausblick: Wie geht es mit den Zinsen weiter?

Die nächste Sitzung des EZB-Rats findet am 11. Juni 2026 statt. Bis dahin werden die Energiepreise und die Inflationsentwicklung im Euroraum entscheidend dafür sein, ob die Notenbank ihren aktuellen Kurs hält oder doch noch reagieren muss. Für Tagesgeld-Sparer heißt das: Die Konditionen am Markt dürften in den kommenden Wochen weitgehend stabil bleiben. Wer jetzt vergleicht und gegebenenfalls wechselt, kann die aktuelle Marktphase gut nutzen.